03.05.11 Der Drei-Eimerlauf oder die Insel der Glückseligen

Ein Bericht von Verena Liebers http://www.vigli.de

Der Drei-Eimerlauf oder die Insel der Glückseligen

Es gibt Leute, die fahren zwei Kilometer nur mit dem Auto. Es gibt Leute, die finden zwei Kilometer als Laufstrecke zu kurz.

Und es gibt den Yogi, der stellt drei Eimer auf die Straße und es kommen über hundert Leute und laufen ringsherum. 24 Stunden lang.

Die ganze Zeit war ich nicht dabei, aber 35 Mal bin ich um die drei Eimer gelaufen. Dabei habe ich alle Stadien der Eimerbeziehung durchlebt: Ich habe die gelben Markierungen freudig begrüßt, selig umtänzelt und grimmig angestarrt. „Wenn-ich-groß-bin-werde-ich-ein-Stuhl" stand auf jedem der Plastikbehälter. Vielleicht ist er schon groß, wenn ich das nächste Mal vorbei komme, dachte ich so manchesmal, während ich das 2-km-Universum durchschritt. Dann hätte ich mich auf den Eimerstuhl gesetzt und beobachtet, wer da alles so vorbei zieht. Kleine und große, Junge und Alte beschlipste und beschwipste, Wanderer und Läufer, müde und muntere. Das einzige, was alle gemeinsam hatten, war das Lächeln: Ein Guten-Morgen- oder Guten-Abend-Lächeln, ein Hallo-dich-kenn-ich-ja-Lächeln, ein Hallo-wer-bist-denn-du?-Lächeln oder ein verträumtes ich-höre-gerade-Musik-Lächeln. Traurig war hier niemand, denn die großen Probleme hatten wir alle jenseits der drei Eimer deponiert. Stattdessen quälte uns nur die Frage, ob wir den Wendepunkt links oder rechts umkreisen sollten und ob wir den Kuchen wandernd oder im sitzen verzehren wollten.

Nebst den Mitläufern gab es noch Eichhörnchen, Birken, freundliche Streckenposten, abendliches Kerzenlicht und ein ständig wechselndes Buffet. Schokolade, Kartoffeln, Kuchen, Salzstangen, Äpfel - da hatte jemand aufgetischt, der etwas vom Läuferappetit verstand. 

Nach den ersten 22 km kroch ich in die Herbergskoje und stellte einen neuen Einschlafrekord auf. Als ich um 6 Uhr wieder aufwachte, war es schon hell. „Laufen!", war mein erster Gedanke. Direkt aus den Kissen stieg ich in die Schuhe und sprintete ohne Frühstück auf die Strecke. Irgendwie hatte ich schon wieder Sehnsucht nach den drei Eimern. Während ich die erste Runde drehte, wachte ich langsam auf und begrüßte alle, die auf der Strecke waren. Es ist schon erstaunlich wie schnell so eine kleine Gemeinschaft unter der Pflege von Yogi und seinem Team zusammen wächst. Hier und da wurde geplaudert, ich sammelte Satzfetzen und die ersten Morgenfotos. „Manche Wanderer brauchen immer einen Stempel, um zu wandern", erzählte Martin zum wiederholten Mal und plötzlich sah ich ein kleines grünes Männchen vor mir, das von Eimer zu Eimer hüpfte und mir einen Stempel ins Erlebnisbuch druckte.

Nach acht Runden gab es Frühstück für mich, um halb elf hatte ich die geplanten 60 km schon abgeschlossen. Unterdessen wurde die Sonne wärmer und das Publikum auf und an der Strecke immer bunter. Die Nachtwanderer sahen mittlerweile ein bisschen blass, aber dafür stolz aus. Die ersten 100km-Fähnchen wurden über die Strecke geschleppt und eine Bimmelbahn fuhr tutend vergnügte Kinder über den Schotterweg. Ich hängte noch zehn Kilometer dran, weil es so nett war. Dann verließ ich schweren Herzens die Insel der Glückseligen und trat die etwas mühselige Heimreise mit Bus, Bahn und Straßenbahn an.

Als ich zu Hause ankam, schien die Sonne noch immer und im Wissen, dass die anderen noch um die Eimer kreisten, schwang ich mich aufs Rad und fuhr 20 km zur nächsten Eisdiele. Yogis Motto „wir bewegen uns" hatte mich offensichtlich voll ergriffen. Dank Facebook und Internet trafen sich die Inselseligen später noch virtuell. Glückwünsche und Danksagungen machten die Runde, persönliche Erlebnisse und Ziele wurden diskutiert. Wiederkommen wollen die meisten und wer nicht dabei war, hofft für nächstes Jahr auf einen Inselplatz.

Aber was nächstes Jahr wird, ist eigentlich eimerlei, dieses Jahr war es jedenfalls prima.

VIGLi, Mai 2011

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